Fair einkaufen – gut einkaufen, nur wo?

Fair einkaufen – gut einkaufen, nur WO?

Viele von uns sind gar nicht so desinteressiert daran sich sozial, ökologisch verträglich, nachhaltig und tierschutzfreundlich als Verbraucher durch den Einkaufsdschungel zu bewegen, wie immer behauptet wird. Oft scheitert es daran, nicht zu wissen wo oder warum man etwas nicht einkaufen sollte, und im zweiten Schritt fehlt die Alternative: WO DENN DANN?

Heute möchte ich Euch einige Beispiele und Alternativen und Infomöglichkeiten aufzeigen.

Thema: Kleidung und Schuhe

gut und fair einkaufen fairtrade

Diese Aufzählungen sind immer zu überprüfen. Manch einer bessert sich, bei einem anderen kommen vertuschte Lügen plötzlich ans Licht.

Auch der Preis einer Ware ist kein allumfassendes Indiz. Zusätzlich ist es mittlerweile Mode geworden, dass sich die Firmen „Nachhaltigkeit“, „keine Kinderarbeit“ und „gute Arbeitsbedingungen“ auf die Fahne schreiben – auch wenn dem de facto nicht so ist.

„Man könnte denken, bei Preisen wie denen der Luxusmarken müssten die Produkte zumindest fairer hergestellt werden als bei Marken, deren Kleidung für einen Bruchteil des Preises angeboten wird. Falsch gedacht. Die Vorstellung, dass höhere Preise auch bessere Herstellungsbedingungen bedeuten müssen, ist leider falscher Idealismus. In Wirklichkeit unterscheiden sich die Arbeitsbedingungen der Ketten, trotz deutlich höherem Kaufpreis, kaum bis gar nicht – oft wird sogar in den gleichen Fabriken produziert. Besonders beliebt bei Herstellern jeder Preisklasse ist Bangladesch, das Land, das für seine billigen Arbeitskräfte bekannt ist. Hier produzieren Hugo Boss, Tommy Hilfiger und Calvin Klein neben Primark und H&M.“ (www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de)

 

1. Label  – Marken Online prüfen

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) haben eine eigene Seite im Internet und eine APP herausgebracht, wo wir uns direkt vor Ort schlau machen können.

Im Internet Marken prüfen ⇒ www.label-online.de . Dies ist Europas größte Label – Datenbank.

Die neue Label-App kann kostenlos mit dem Stichwort „Label-online“ für Smartphones mit Android- und iOS-Betriebssystemen in den bekannten Play- und App-Stores heruntergeladen werden. In der App werden die Labels in kurzen Profilen mit allen wichtigen Informationen zu den Trägern, Zielen und Transparenz vorgestellt und bewertet.

Die Bewertung erfolgt anhand einer einheitlichen Matrix nach den vier Aspekten:

1. Anspruch,  2. Unabhängigkeit, 3. Kontrolle und 4. Transparenz. Nutzer der App können die einzelnen Marken über einen Foto-Button einscannen oder über ein Textfeld abfragen.

Ihr könnt hier also entweder direkt auf die Webseite gehen oder mit eurem Handy den Namen der Marke oder des Labels eingeben, und bekommt dann eine Empfehlung und die Testergebnisse der Datenbank. Zum Beispiel habe ich Alnatura, BIO Siegel, Cotton made in Africa, GOTS Textil, Waschbär, Lamu Lamu eingegeben und sehe auf einen Blick: sehr empfehlenswert. Hier findet ihr aber nur Marken, die die Regeln der Nichtausbeutung einhalten. Siegel für negative Geschäftspraktiken gibt es selbstverständlich nicht.

label und marken suche - fair einkaufen

Label- und Markensuche

 

lamu_lamu

Beispiel

 

2. Kleidung und Textilien

Fair Trade Kleidung und Marken, die transparent unter fairen Arbeitsbedingungen und ohne Tierquälerei produzieren,  gibt es leider verhältnismäßig wenige. Alle die ich kenne, zähle ich euch hier mal auf, wer mehr weiß, bitte in die Kommentare unten schreiben, ich füge dies dann hier hinzu.

Zur Zeit könnt ihr von diesen Marken Klamotten mit relativ gutem Gewissen einkaufen:

  1. LamuLamu – Textilien, die ökologisch und sozialverträglich produziert wurden nach den Regeln des Fairen Handels. Die Kollektion ist über den Versandhandel direkt von LamuLamu oder in Weltläden erhältlich.
  2. Cotton made in Africa – Initiative „Cotton made in Africa“ fördert die Aid by Trade Foundation seit ihrer Gründung 2005 durch den Hamburger Michael Otto (Otto Group) den nachhaltigen Baumwollanbau in Afrika und unterstützt mehr als 400.000 Kleinbauern und ihre Familien. Die Aid by Trade Foundation selbst wird unterstützt und gefördert von verschiedenen Organisationen und Textilunternehmen, unter anderem der Welthungerhilfe, dem WWF, der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), Puma, Tchibo. Die Felder dürfen nur mit Regenwasser bewässert werden.Die Abholzung von Urwald ist verboten. Kinderarbeit und Zwangsarbeit sind verboten.
  3. Hess Natur – Als Ergebnis eines gemeinsamen Pilotprojekts der Kampagne für „saubere“ Kleidung mit Hess Natur, trat das Versandhaus der niederländischen Fair Wear Foundation (FWF) bei. Die FWF führt regelmäßig unabhängige und transparente Kontrollen bei den Zulieferern von Hess Natur durch.
  4. Waschbär –  steht für ökologische und soziale Verbesserungen im Versandhandel, sowohl bei  Produkten über den gesamten Lebenszyklus hinweg, als auch bei der Logistik. Nachhaltigkeit spielt eine zentrale Rolle. Aufgrund der Größe des Sortiments finden sich dort sowohl Produkte, die besonders hohe Ansprüche erfüllen, wie beispielsweise fair gehandelte und ökologisch produzierte Textilien, als auch übliche Haushaltsgegenstände, wie Leuchtmittel oder Kerzen, die sich von konventionellen Produkten kaum unterscheiden
  5. GEPA – ist kein Label, sondern der Name des Unternehmens „Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt mbH“. Die GEPA richtet sich nach den Standards der Fairtrade International Labelling Organization (FLO) und ist Mitglied in der World Fair Trade Organization (WFTO). GEPA-Produkte erfüllen mindestens die Fair Trade Kriterien.
  6. bluesign  –   anspruchsvolle Marke, die wesentlich zu einem geringeren ökologischen Fußabdruck entlang der gesamten Wertschöpfungskette in der Textilindustrie beiträgt und die Gesundheit von Verbrauchern schont. Es trägt auch zu sozialen Verbesserungen in der Textilproduktion bei, indem der Gesundheitsschutz der Arbeiter eine große Rolle spielt und geprüft wird und die Systempartner sich verpflichten, die Grundsätze des UN Global Compact einzuhalten. Aus diesem Grund handelt es sich um ein Nachhaltigkeitslabel.
  7. GOTS –  Das Label kennzeichnet Produkte, die mindestens 95 Prozent Naturfasern enthalten. Diese müssen aus Betrieben stammen, die auf Bioproduktion basieren. Die Kriterien für die Vergabe des Labels werden von unabhängigen Stellen mitentwickelt, der Vergabeprozess ist transparent. Umfassende und regelmäßige Kontrollen machen das Label glaubwürdig. Verstößt ein Labelnehmer gegen die Vergabekriterien des Labels, so werden ihm Sanktionen auferlegt. Verbraucher können alle wichtigen Informationen zum Label kostenlos abrufen!

 

3. Der Unternehmens-Check

Mehr Transparenz für Verbraucher findet Ihr bei der Unternehmens-Check Datenbank. Hier könnt ihr alphabetisch nach Hersteller-Firmen suchen und auch nach Branchen suchen. Da die Auswertung und Bewertung immer sehr lange dauert von den verschiedenen Gremien, sind in der Regel immer 3-4 Jahre der letzte Prüfungszeitraum. Einträge ab ca. 2010. Daher kritisch bleiben.

⇒ Suche in der Datenbank ⇒ http://www.nachhaltig-einkaufen.de/unternehmens-check/datenbank

 

4. Sonstige Tipps

Und nicht zuletzt gilt natürlich: Nicht zu oft und nicht ständig neue Klamotten kaufen. (-;

Pfleglich damit umgehen, auch mal was reparieren, flicken, nähen und stopfen. Und wenn ihr das selbst nicht könnt (lernt man ja heute in den Schulen nicht mehr): Freunde fragen, in ein Repair Café gehen oder eure Omi fragen, ob sie euch das mal zeigt. Vielleicht kommen dann sogar ein paar schöne Gespräche und Zeit mit deinen Großeltern zustande.

Grüßlis von Bailey ^^

Man kann reden – oder man kann handeln!

Und wenn ihr noch mehr Anbieter oder tolle Tipps wisst, bitte unten in die Kommentare schreiben! (-:

Bitte diesen Artikel gerne teilen!

Update Juni 2022 :: Erstveröffentlichung: 25. Jun. 2014 um 15:34 Uhr

Quellen und weitere Informationen:

www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de
www.label-online.de
Kinderarbeitsreport 2022
– netzfrauen.org
www.fairekleidung.com
Nachhaltige Unternehmen